Die Niere in der TCM

von TCMlerin

Die Niere kannst du dir wie einen riesigen Speicher vorstellen. Dieser enthält eine wertvolle Substanz, unsere Lebensessenz, die wir bereits vor der Geburt von unseren Eltern mitgebracht haben. Deshalb wird sie auch „Wurzel des Lebens“ genannt. Die Nieren-Energie bildet die Grundlage der Energie für alle anderen Organe deines Körpers.

Der Verbrauch unserer Lebenskraft lässt sich wie mit dem Herunterbrennen einer Kerze vergleichen. Deshalb ist es wichtig, dass wir sorgsam mit unserer Lebenskraft umgehen und sie nicht unnötig durch Stress, Sorgen und Überforderung vergeuden.
Ist der Zustand unserer Nieren-Essenz in ihrer vollen Vitalität, dann erleben wir uns in unserer vollen körperlichen, sexuellen und fruchtbaren Kraft.

Unsere Nieren-Essenz bestimmt auch die körperlichen Wandlungen, das Altern und das Einsetzen der Menopause. Sie ist für hormonelle Veränderungen zuständig, die sich in der Menopause vollziehen. Das Nieren-Yang wärmt und nährt unsere Gebärmutter.

Hätte ich ein Bild von einer starken Niere vor Augen, dann würde sich mir wahrscheinlich Pippi Langstrumpf zeigen …

… Denn die Niere hat auch sehr viel mit unserer Willenskraft und unserem Mut zu tun. Frauen mit einer starken Niere sind resolut und agieren beherzt und tatkräftig. So schnell kann sie nichts in ihrem Urvertrauen erschüttern.

Ein weiterer Kompagnon der Niere ist auf der anderen Seite die Angst. Es ist menschlich, dass wir Ängste haben. Manchmal ist die Angst sogar lebenswichtig, z. B. wenn wir uns in Gefahr befinden. Außerdem zeigt sie uns, wo wir evtl. noch Themen bearbeiten dürfen, um zu wachsen. Ist die Niere jedoch geschwächt, dann reagieren wir im Übermaß ängstlich und haben z. B. Angst vor dem Autofahren oder vor Einbrechern. Die kleinsten Veränderungen versetzen uns in Panik, und Entscheidungen machen uns das Leben schwer. Es fehlt uns an Vertrauen in uns selbst, aber vor allem ins Leben an sich.

„Das schaff’ ich nicht!“
„Ich kann´s ja nicht ändern.“
„Was würdest du an meiner Stelle tun?“

sind typische Sätze, wenn die Niere deine Zuwendung braucht.

YIN und YANG

Die Niere wird aus einer aktiven Kraft (Yang) und einer ruhenden Kraft (Yin) gebildet.
Gerät über eine längere Zeit hinweg eine Disbalance in einem der beiden Pole, kann sich ein Mangel bemerkbar machen.

Typische Symptome eines Nieren-Yin-Mangels (Säfte-Mangel, Austrocknung):

  • Schlaflosigkeit
  • Hitzewallungen, Nachtschweiß
  • Kalte Füße tagsüber
  • Heiße Füße nachts
  • Innere Unruhe bei gleichzeitiger Erschöpfung
  • Gedächtnisprobleme
  • Frühes Ergrauen der Haare, Haarausfall
  • Unfähigkeit sich zu entspannen
  • Probleme mit den Zähnen
  • Rückenschmerzen (vor allem im unteren Rücken)
  • Sexuelle Träume und Fantasien
  • Osteoporose (nimmt das Nieren-Yin ab, nimmt die Knochendichte ab)

Nieren-Yin-Mangel entsteht unter anderem durch:

  • Stress und jahrelange Überarbeitung (alles, was uns an die Nieren geht)
  • Schlafmangel
  • Schockerlebnisse
  • Zu langes Arbeiten am Bildschirm (Fernsehen, Computerarbeit)
  • Minderwertige Ernährung
  • Starke Blutverluste durch Geburt und Menstruation
  • Fieberhafte Erkrankungen
  • Übersteigerte Libido und yangiger Sex (vor allem Beim Mann: Samenverlust = Essenzverlust)
  • Hitze von Außen (Zigaretten, Alkohol, zu viel scharfes Essen…)

Hilfe bei Nieren-Yin-Mangel

Yin-Aufbau braucht einen langen Atem und verlangt meist eine Veränderung des Lebensstils. Wenn du über Maßen dein Yin verausgabt hast, dann helfen Tees und Kräuter nur bedingt.
Das Yin baut sich vor allem in der Ruhe auf, durch ausreichend Schlaf. Stress, dauerhaftes Auspowern und Schlafmangel sind die größten Feinde des Yin.

Was du meiden solltest:

  • Scharfes und gegrilltes Essen (scharfe Gewürze verletzen das Yin und zerstreuen deine Säfte)
  • Alkohohl und Zigaretten
  • Yangigen Sex (schnell, auf Stimulation ausgerichtet, orgamsusorientiert)
  • Yangigen Sport, bei dem deine Leistung im Vordergrund steht
  • Bildschirmarbeit

Deine Nieren lieben:

  • Meditation, Pranayama, sanftes Yoga
  • Schlaf (zwischen 22 und 2 Uhr ist der nährendste Schlaf)
  • Entspannung
  • Liebevolle Gespräche, sanfte Streicheleinheiten
  • Energiebad im Wald (Der Wald erdet, erinnert dich an deine Wurzeln und spendet dadurch Urvertrauen.)

Rezept für einen Entspannungstee (nach Florian Ploberger):

Hopfen 6 g
Johanniskraut 5 g
Melissenblätter 5 g
Lavendelblüten g g
Baldrianwurzel 6 g

Typische Symptome eines Nieren-Yang-Mangels (innere Kälte):

  • Antriebslosigkeit, Lethargie
  • schwach ausgeprägte Libido
  • Neigung zu Ödemen
  • Neigung zu frieren
  • kalte Füße
  • Kraftlosigkeit in den Knien und in der Lendengegend
  • Kälte-Regelschmerzen im Unterbauch
  • Nächtliches Wasserlassen
  • Reizblase
  • Fruchtbarkeitsprobleme
  • Schwerhörigkeit / Tinnitus (Die Niere öffnet sich in den Ohren.)
  • Probleme mit der Lendenwirbelsäule (oft auch zu Beginn der Menstruation)
  • Breiiger Stuhl (Die „Mitte“ bekommt nicht genug Feuer von der Niere zum Verdauen.), Blähungen, Verdauungsprobleme

Nieren-Yang-Mangel entsteht unter anderem durch:

  • Kalte Emotionen (Ängste, Unsicherheiten, Misstrauen ins Leben)
    Dauerhafte Angst schwächt die Lebensenergie der Nieren. Du hast es bestimmt schon selbst erlebt: Wenn du Angst hast, verkrampfst du dich. Du bist wie gelähmt und erstarrst.
    Die Niere entspricht in der TCM dem Element Wasser. Und Wasser möchte fließen, sich wandeln und sich neu anreichern. Stehende Gewässer werden trübe und können sich so verändern, dass dort kaum noch Leben möglich ist. Da Wasser Leben spendet und die Niere deine Lebenskraft behütet, kannst du dir vorstellen, dass sich Ängste gegen deine Lebensaufgabe richten, gegen dein Wachstum und deine Lebensenergie. Vielleicht kennst du auch das Gefühl, dass sich die Angst eisig kalt anfühlt. Deshalb erschöpft Angst auf Dauer dein Nierenfeuer.
    Um dein Nieren-Yang zu stärken, kommst du nicht umhin, dir deine Ängste anzuschauen – vor allem diejenigen, die deine Existenz betreffen (Krankheit und Tod, finanzielle Ängste, sexuelle Ängste).
  • Zu viel Rohkost (ist aus Sicht der TCM oft ein Problem bei Yang-Mangel. Der Körper kühlt buchstäblich aus.
  • Feuchte, kalte Lebensumgebung
  • Viel Sport bei Kälte (Poren öffnen sich, Kälte dringt ein)

Hilfe bei Nieren-Yang-Mangel:

  • Wärme, Wärme, Wärme
  • 3mal täglich warm essen
  • Wurzelgemüse (Niere = Wurzel des Lebens), Eintöpfe, deftige Suppen
  • Lebensmittel wie Hirse, Reis und Quinoa, Hülsenfrüchte, vor allem schwarze Sojabohnen und Azukibohnen; schwarzer Sesam, aber auch Linsen und Bohnen aller Art stärken die Nieren
  • Wärmende Gewürze und Gemüse wie Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer, Muskat, Curry, Zwiebeln, Lauch, Knoblauch und Fenchel halten die Nieren schön warm. Vorsicht bei zu viel heißen Gewürzen! Frierende Frauen neigen dazu, viel Yogi-Tee zu trinken. Zu viel „heiße“ Gewürze erschöpfen das Yin und unsere Körpersäfte. Bei Blutmangel solltet ihr deshalb auf scharfe Gewürze verzichten oder nur ganz dezent zu euch nehmen.
  • Kaltes und Rohes solltest du vermeiden
  • Nicht barfuß auf kalten Fliesen laufen
  • Liebevoller Sex (Das ist generell die beste Medizin 🙂
  • Wärmende Massagen, Schröpfen, Akupunktur

Generell beobachte ich, dass sich die Symptome bei Nieren-Yin- und Nieren-Yang-Mangel vermischen können. Das Eine bedingt das Andere. Ein lang bestehender Nieren-Yin-Mangel kann über längere Zeit zu einem Nieren-Yang-Mangel führen. Lass dich also nicht verrückt machen. Lerne die Zeichen deines Körpers zu deuten, indem du ihm zuhörst. Denn dein Körper lügt nicht. Um sicher zu gehen, wende dich an einen TCM-Therapeuten, der weiß wie er anhand der Zunge und einer gründlichen Anamnese genauere Ursachen erkennen kann.

Nice to know. Weiteres Nieren-Wissen:

  • Hochphase der Nieren: 17 bis 19 Uhr
  • Wandlungsphase der TCM: Wasser
  • Jahreszeit: Winter
  • Geschmack: salzig (In kleinen Mengen stärken salzige Lebensmittel das Nieren-Yin.)
  • Zugeordnetes Sinnesorgan: Ohr
  • Farbe: blauschwarz stärkt die Nieren
  • Was noch zum Funktionskreis der Niere gehört: 
    Knochen, Knochenmark, Zähne, Blut und Säfte, Fortpflanzungsorgane, Haare,
    untere Körperöffnungen (Harnröhre, Anus)

Der Nierenmeridian ist ein Yin-Meridian, der von unten nach Oben fließt. Er beginnt auf der Fußsohle in der Mitte zwischen Groß- und Kleinzehballen und endet im Schlüsselbein.

Wie Herz und Niere in Verbindung stehen, kannst du hier nachlesen.

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