Die Leber in der TCM

von TCMlerin

Die Leber ist zusammen mit der Gallenblase das Organ, das im Frühling (Element Holz) seine Hochphase hat. Beide Organe reagieren sehr empfindlich auf Anspannung, Enge und Druck. Die Leber brüllt lauter als die Niere, die nicht sofort schreit sondern eher lieber eine Weile vor sich hin jammert. Dafür regeneriert sich die Leber schneller als die Niere.

Da die Leber eine Visionärin ist wünscht sie sich von dir, dass du deine Visionen und deine Träume lebst und deiner Herzenswahrheit folgst. Darin bestärkt sie dich auch mit ihrer geballten Power. Denn ihr Motto ist „Go with the Flow.“ Immer da, wo du im Widerstand bist, dich selbst beschränkst oder Ideen Luftschlösser bleiben, fühlt auch sie sich eng. Ihre Kraft möchte freigesetzt werden und dort hin gelenkt werden, wo ein kraftvoller Baum wachsen und gedeihen kann.

Was deine Leber liebt

  • Lachen und albern sein, Leichtigkeit und Lebensfreude
  • Spontanität
  • Bewegung (Tanzen, Bauchtanz, Yoga)
  • Neue Ideen, Pläne schmieden
  • Kreativität (schreiben, malen, musizieren (trommeln entstaut die Leber), basteln, nähen…)
  • „Nein“ sagen, wenn du „nein“ meinst.
  • Spontaner Sex (entstaut die Leber)
  • Geregelte Rhythmen wie z. B. Schlafrhythmus, Essensrhythmus…

Die Leber braucht Freiräume und liebt es, wenn sie ihre Aufgaben unter anderem als Verwalterin des Bluts reibungslos erledigen kann. Sie mag es gern geschmeidig und im Flow. Deshalb ist sie auf dich angewiesen. Manchmal wird es ihr zu viel.

Was deine Leber gar nicht mag

  • Wenn sie zu wenig Blut zur Verfügung hat und quasi auf dem Trockenen liegt.
  • Wenn in deinem Leben Yin und Yang deutlich aus der Balance geraten sind. Sie schreit meist dann, wenn es ihr zu heiß wird.
  • Wenn dein Lebensstil nicht deiner inneren Wahrheit entspricht
  • Wenn du mit starken „heißen“ Emotionen (Wut, Eifersucht, Neid, Missgunst) zu kämpfen hast
  • Zu viele scharfe Gewürze und hochprozentigen Alkohol

Du merkst, bei der Leber-Problematik geht es meist um Hitze. Diese Hitze-Symptome werden in der TCM auch „aufsteigendes Leber-Yang“ genannt.

Eine starke Leber zeigt sich bei dir als Frau…

… wenn du dich als Schöpferin deines Lebens erkennst und du all deinen Lebensbereichen (Zuhause, Partnerschaft, Arbeit) deinen Spirit einhauchst. Du schaffst dir Räume, in denen du dich entfalten kannst, um kreativ und schöpferisch zu sein. In deinen alltäglichen Aufgaben findest du immer wieder Möglichkeiten, dich einzubringen, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Du sprudelst vor Ideen, Tatendrang und Lebendigkeit. Mit einer starken Leber gehst du mit Gegenwind und Herausforderungen sehr flexibel und lösungsorientiert um. Es fällt dir leicht, mit allem, was dich umgibt, in einen Dialog zu kommen und entsprechend zu agieren (anstatt nur zu reagieren).

Eine Frau mit einer angespannten Leber hat meist zu wenig Spielraum für sich.

Viele Frauen fühlen sich eingeengt. Sie erzählen mir von ihrem vollgepackten Leben und wie sie es schaffen, allen gerecht zu werden und wie sie Beruf, Haushalt, Kinder, Partner und Ehrenamt unter einen Hut bringen. Und gerade deshalb brodelt es in ihnen. Es fehlt ihnen der Raum für die Selbstentfaltung. Sie leiden unter Gereiztheit und Zorn (der Schattenaspekt des Holzelements). Die Aggressionen richten sich dann entweder unkontrolliert nach außen oder auch nach innen. Die Leber sucht gerne ein Ventil, um Druck abzulassen.

Nicht immer sind die Umstände so offensichtlich wie bei dem oben genannten Beispiel. Viele Frauen, die sich in den Hintergrund stellen (Erst kommen alle Anderen, dann ich), sich in Abhängigkeiten begeben oder fremdbestimmt sind, haben eine gekränkte Leber. Nichts unterdrückt die Leberkraft so sehr wie das Gefühl von Ohnmacht, Enge und Opferdasein. Oftmals braucht es eine grundlegende Veränderung, um sich selbst und die Leberkraft zu befreien.

Die unausgeglichene Leber-Frau

Es muss nicht immer die Karrierefrau sein, deren Emotionen wegen zu viel Stress aus der Balance geraten sind. Die Leber hasst es unter Druck zu geraten, und die Gründe sind sehr vielfältig. Die Auswirkungen einer unausgeglichenen Leber sind vor allem Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, innere Anspannung, Wutausbrüche oder unterdrückte Wut. Auf körperlicher Ebene offenbart es sich ganz unterschiedlich. Jegliches „ZUVIEL“ in der oberen Körperhälfte wie Nackenverspannungen, Migräne, Druck im Kopf, Augenentzündungen, Schwindel, hoher Blutdruck, Hitze im Kopf, ist ein Anzeichen für eine beleidigte Leber.

Die Symptome des aufsteigenden Leber-Yang

  • Wutausbrüche, überzogenes, emotionales Verhalten (Du regst dich z. B. schon über eine rote Ampel auf) => also wenn´s in dir brodelt…
  • Migräne und seitliche Kopfschmerzen
  • hoher Blutdruck
  • Augenentzündungen
  • Tinnitus
  • Drehschwindel…

Vermeide:

  • Scharfe Gewürze, Frittiertes, scharf angebratenes, Gegrilltes
  • Stress
  • Sauna
  • Unnötige Aufregungen wie z. B. hitzige Auseinandersetzungen am Abend
  • Blaues Kunstlicht aus TV, Smartphone und PC am Abend
  • zu viel Sport (Lediglich Genuss-Sport ohne Druck kann die Leber unterstützen)

Ich habe hier schon einiges über die Leber geschrieben. Dort findest du noch
zahlreiche Tipps.

Nahrungsmittel bei Leber-Yang-Überschuss:

Blockaden löst du am besten mit bewegenden und kühlenden Nahrungsmitteln. Das sind zum Beispiel: Kresse, Radieschen, Rettich, Pfefferminze. Schafgarbentee sowie jegliche Blütentees wie Rosenblüten und Lavendel beruhigen ebenfalls das überhitzte Yang.

Besonders kühlend bei akuten Zuständen:

Chrysanthemenblütentee: Erhältlich in TCM-Apotheken. Bitte nur kurweise trinken, da dieser Tee sehr stark kühlt, z. B. 1-2 Wochen lang 1-2 Tassen am Tag. Chrysanthementee wirkt auch fiebersenkend. Alternativ könntest du auch Maishaartee trinken… Auch hier: Bitte achtsam trinken, und nur bei Hitze-Symptomen.

Häufig führt ein Leber-Blut-Mangel zu überschüssiger Hitze in der Leber.

Symptome eines Leber-Blut-Mangels

  • Müdigkeit
  • Blässe
  • brüchige Fingernägel
  • trockene Haut
  • innere Unruhe, Nervosität, schwache Nerven

Säfte-Mangel kann einerseits konstitutionell bedingt sein, andererseits kann er auch das Resultat eines sehr yangigen Lebensstil sein. Zu viel geistige Arbeit, Bildschirmarbeit, Stress, zu viel Sport aber auch ungelebte Träume und unglückliche Lebensumstände lassen uns austrocknen.

Unterstützen kannst du deine Leber vor allem jetzt im Frühling durch folgende Nahrungsmittel und Kräuter:

  • Junge Löwenzahn- und Brennessel-Blätter
  • Rucola, Artischocke, Radicchio und Chicoree (unterstützen die Leber bei Entgiftungs- und Reinigungsprozessen.)
  • Frische Kräuter, Sprossen, Keimlinge und grünes Gemüse wie Spinat, Sauerampfer, Stangensellerie
    Kräutertees aus Brennnessel, Birkenblättern und Löwenzahn entschlacken und bringen das Qi in Bewegung.
  • Rosmarin, Oregano und Thymian wirken verdauungsfördernd, sind aber thermisch warm.
    Gänseblümchen haben eine blutreinigende Wirkung.

Blutaufbauend sind z. B.

  • Beeren, Goji-Beeren
  • Rote Beete
  • Petersilie
  • Eigelb
  • Datteln und Rosinen
  • schwarzer Sesam

Die Leber leistet gerade sehr viel. Zwischen all den To-do´s braucht es auch immer wieder Erholungsphasen, damit wir unser Yin nicht erschöpfen. Denke an die Regel „Yin first!“. All die Erledigungen, das Schmieden von Ideen, das Entwickeln von Strategien und Konzepten, Organisieren und Einhalten von Terminen verbraucht sehr viel Yin und Ressourcen (Ruhe, Gelassenheit, Kühlung, Blut, entspannte Atmung). Außerdem spannt sich unser Körper im Yang-Modus oftmals zu sehr an – vor allem, wenn wir all dies in einer Attitude von „Höher, Schneller, Weiter“ tun.

Die Leber ist das Organ, das besonders empfindlich auf Anspannung reagiert. Wenn du dich dabei ertappst, dass du angespannt bist, dann tadle dich bitte nicht dafür! Besser wäre es, dies wahrzunehmen, deine Leber zu streicheln und dir zu überlegen wie du regelmäßige Entspannung in deinen Alltag einbauen kannst, um eine langfristige Veränderung herbeizuführen. Du kannst hier nachlesen, was deine Leber liebt.
Die Folge der Anspannung ist oftmals eine Leber-Qi-Stagnation. Vor lauter Druck bleibt das Qi quasi stecken.. Die Symptome sind unter anderem Schwindel, Migräne, PMS, Verdauungsprobleme, bis hin zu emotionalen Ausbrüche. Ich habe hier darüber geschrieben.

Was dir jetzt sonst noch gut tut!

Die Leber erholt sich vor allem im Liegen. Ein Mittagsschläfchen zwischen 13 und 15 Uhr (laut Organuhr die Tiefphase der Leber) kann dir jetzt richtig gut tun – ebenso wie ein Leberwickel, der die Durchblutung anregt. Ein Mittagsschläfchen hilft dir außerdem beim Yin- und Blutaufbau…

Leberwickel
Tränke ein kleines Handtuch in kühlem Wasser, wringe es gut aus und lege es doppelt gefaltet auf den rechten Rippenbogen.
Lege dann ein trockenes Handtuch darüber und darauf eine Wärmflasche.
Decke dich nun gut zu und bleibe ca. 20 Minuten liegen.

Lebertee
aus Mariendistel, Löwenzahn, Goldrute und Brennnessel, alles zu gleichen Teilen mischen
2 Teelöffel der Mischung werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser aufgebrüht und nach spätestens 10 Minuten abgeseiht. Auch dieser Tee dient als Kur, ca. 3-4 Wochen lang 2-3 Tassen täglich trinken.

Die Leber fordert dich auf genau hinzuschauen, ob du deinen Bedürfnissen genug Platz einräumst. Bitte verwechsle dies nicht mit Egoismus und schließe all die Menschen in deinem nächste Umfeld auch in deine Vorhaben mit ein. Offene Kommunikation befreit ebenfalls deine Leber-Energie.
Bei all dem Yang, das sich jetzt im Außen zeigt und dich auffordert, deine Energie zu bündeln auf die Dinge zu richten, die dir am Herzen liegen, vergiss das Yin nicht. Ohne Yin kann das Yang nicht existieren – genau wie umgekehrt. Nur wenn sie einander die Hand reichen, bleibst du geschmeidig. Frei von der Leber gesprochen: Sorge gut für dich!

Mehr? Gerne: