Das Herz in der TCM

von TCMlerin

Die Wandlungsphase Feuer wird im Wesentlichen von der Kaiserin unter den Organen dem Herz und ihrem zugehörigen Partnerorgan dem Dünndarm beherrscht. Das Herz wird das Tor zum Kosmos genannt. Es verbindet das Individuum mit dem Kosmos. Als Hüterin der Lebenskraft sorgt es dafür, dass wir unserem Leben einen Sinn geben und aus diesem Sinn heraus ein erfülltes und glückliches Leben führen. Die Lebensfreude als Qualität des Feuer-Elements täglich zu nähren bedeutet auch unser Herz zu nähren. Dabei sind es eher die kleinen Dinge im Leben wie eine liebevolle Umarmung, ein wohlwollendes Lächeln, schmusen mit der Katze oder das Betrachten einer Blume, die unser Herz weit werden lässt. Berauschende Parties, eine durchzechte Nächte oder das leidenschaftliche Anfeuern der Lieblingsfußballmannschaft kann unser Herz-Feuer zwar ankurbeln, würde uns aber dauerhaft eher ausbrennen. Vielleicht gerade deshalb ist die Jugendzeit (entspricht dem Feuer-Element) mit der Pubertät im Vergleich nur ein relativ kurzer Abschnitt in unserem Leben.

Das Herz und das Feuer-Element bringt uns in Kontakt mit den Fragen: 

  • Stehe ich in Kontakt mit meiner inneren Fülle? Was erfüllt mich?
  • Nehme ich meine Seelenbedürfnisse wirklich ernst?
  • Wo darf mehr Leichtigkeit und Unbeschwertheit in mein Leben treten?
  • Wofür brenne ich? Oder wie kann ich mein erloschenes Feuer neu entfachen?
  • Welche Ideen und Visionen möchten in die Umsetzung gebracht werden?

Die wesentlichen Aufgaben des Herzens aus Sicht der TCM:

• Das Herz bildet aus den Nahrungsessenzen, welche die Milz aus der Nahrung gesammelt hat, Blut.
Es ist die Alchemie-Kraft des Herzens, die „gewöhnliche“ Nahrungssäfte in beseeltes Blut wandeln kann. Welch Geschenk! Denn es ist (auch) das Herzblut, das unseren Ideen und Projekten Leben einhaucht.

• Das Herz wacht über das Blut und die Gefäße.
Es achtet darauf, dass das Blut geschmeidig zirkuliert und auch jede noch so winzige Stelle deines Körpers erreicht. Wenn dein Gesicht schön rosig ist, dann ist das ein Zeichen eines kräftigen Herz-Qis. Denn das Herz zeigt seinen Glanz im Gesicht.

Der Zustand deines Herzens beeinflusst auch deine Sprache.
Denn die Chinesen sagen: Das Herz öffnet sich durch die Zunge. Die Art wie du sprichst, wie du dich ausdrückst oder wie oft du schweigst, dein Sprachtempo und die Klarheit deiner Worte sagen sehr viel über dein Herz aus. Bei einer Dysbalance kann es zu Wortfindungsstörungen, ununterbrochenem Lachen oder Sprechen (zu viel Yang) führen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, kannst du hier noch mehr darüber lesen.

• Das Herz koordiniert alle geistigen Aktivitäten.
Ja richtig. In der TCM ist es das Herz(hirn), das dafür zuständig ist, dass wir Gesagtes aufnehmen und verarbeiten können. Es hat die Obhut über alle mentalen Aktivitäten. „Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen“ sagen die Chinesen. Das ist der Grund, warum eine Frau mit zu viel Herz-Feuer bzw. Herz-Blut-Mangel oft an Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen leidet. Sie kann nicht abschalten.

Eine harmonische Herz-Kraft zeigt sich bei dir als Frau…

wenn du dich deines Lebens erfreust. Du liebst das Leben und strahlst das nach außen. Du begegnest dir selbst und deinem Gegenüber in einer herzlichen Offenheit und Präsenz. Deine Augen leuchten, und dich umgibt eine Aura der Leichtigkeit und des Urvertrauens. Dein Geist ist wach, deine Stimme ist klar und voller Kraft.

Die Freude ist die Emotion des Herzens. Ist sie voller „Bedeutsamkeit“, dann durchdringt sie jegliche Oberflächlichkeit und berührt andere Menschen. Ist sie überschwänglich, dann hat sie ihre Wurzel im Yang und streift oft nur an der Oberfläche. Sie verflüchtigt sich leicht in der Ablenkung und nährt sich von Aufregung, ständig wechselnden Reizen und Faszination.

Begierde als schwächende Emotion

Die Begierde ist die Emotion, die das Feuer-Element auf Dauer schwächen kann. Die Rede ist nicht von Lust oder sexueller Erregung, sondern vielmehr von zehrendem Wollen und unstillbarer Stimulation.
Ich beobachte, dass Frauen, die ihr Herz-Feuer erschöpfen, meist auf der Suche nach Befriedung ihrer Bedürfnisse sind, z. B. durch Shopping, Aktivitäten, sportliche Leistung, Karriere, Sex, Anerkennung etc. Die Gefahr dabei ist, dass diese Suche zu einer Sucht führen kann. Es ist die unstillbare Sehnsucht, die sich meist auf unerreichbare Objekte oder Ziele bezieht, welche das Herz-Feuer schwächen. Dies kann z. B. auch eine Affäre mit einem verheirateten Mann sein.

Selbst wenn das Ziel erreicht ist, dann gibt es schon das nächste. Frauen in diesem Zustand von Herz-Yin-Mangel können selten mit dem Erreichten zufrieden sein, sich zurücklehnen und genießen.

„Ist das Feuer in Harmonie, stärkt es das Leben. Zu viel Feuer erschöpft das Yin.“ – Regina Rebele

Das Herz neigt seiner Natur entsprechend eher dazu zu überhitzen. Es besteht aus 90% Yang-Energie und 10 % Yin-Energie. Einige Sätze zuvor habe ich geschrieben, dass das Herz-Feuer erschöpft werden kann. Diese Schwäche zeigt sich eher darin, dass das Herz-Yin mehr und mehr erschöpft. Das Herz-Yin meint den nährenden, empfangenden, empathischen, genüsslichen, tiefgehenden, intuitiven Teil des Herzens.

Symptome eines Herz-Yin-Mangels können sein:

  • Unablässiges Sprechen (meist auch sehr schnell)
  • Herzklopfen
  • Schlafstörungen
  • Unruhezustände
  • Angstzustände und Panikattacken (gepaart mit Nieren-Yin-Mangel)
  • Nachtschweiß (Das Herz kontrolliert unser Schwitzen)
  • Schreckhaftigkeit
  • Blasses Gesicht mit auffällig roten Wangen ist oft ein Indikator für Herz-Ying-Mangel

Wenn das Herz zu sehr überhitzt – meist bei emotionaler Hitze und Stress, leitet der Kreislauf-Sexus-Meridian die Hitze über den Dünndarm und die Blase ab, was zu einer emotionalen Blasenentzündung führen kann. Somit sind auch Blasenentzündungen im Sommer nicht immer auf nasse Bikini-Höschen zurückzuführen…

 „Frauen mit einem Yin-Mangel wollen, können aber nicht.“ ~ Florian Ploberger

Das ist ein ganz wesentlicher Satz. Vielleicht auch ein Merksatz. Auch wenn eine Frau Ziele verfolgt, fällt es ihr schwer diese umzusetzen, wenn es ihr an Yin mangelt. Es fehlt dem unruhigen Shen (Mehr zum Shen weiter unten) an Verwurzelung im Yin, weshalb die Frau umtriebig ist. Yin ist der Antrieb, das Öl, die Kühlflüssigkeit. Ohne Yin laufen wir heiß. Es fehlt uns an Ressourcen, um unsere Träume verwirklichen zu können. Zu viel Yang zerstreut unsere Kräfte. Das Yin bringt die Ideen auf die Erde.

Was dein Herz außerdem irritiert:

  • Stress und Überarbeitung
  • Hitze von Außen (Zigaretten, Alkohol, zu viel scharfes Essen…)
  • Zu viel Leistung (Sport, Karriere…)
  • One-Night-Stands und Affären
  • zu viel yangiger Sex (Ein Höhepunkt jag den nächsten)
  • Oberflächliche Bekanntschaften
  • Nachtarbeit

Wenn das Yin derartig erschöpft wurde, dann helfen Kräuter nur bedingt.

Was dein Herz-Yin nährt:

  • Tiefe Herzensfreude
  • Herzensbegegnungen z. B. im Frauenkreis 😉
  • Liebevoller, yinischer Sex
  • Lachen nährt dein Herz
  • Erdung in der Natur. Es ist die Natur, die uns Frauen wieder mit dem Yin in Kontakt bringt. Besonders nährend und erdend: barfussgehen im Sommer (Bitte nicht auf kalten Fließen gehen. Denke an deine Niere 🙂
  • Das Yin am Wasser nähren: Die Nähe zum Wasser bringt unser Yin wieder in Balance. Wir können durch ein Bad in einem See oder im Meer wieder an unser naturgemäßes Frausein andocken.
  • Genuss und Sinnlichkeit: Wie wäre es, wenn du dir einmal so richtig Zeit lässt bei deinen Mahlzeiten? Und vielleicht mit verbunden Augen die Geschmacksnuancen der Nahrungsmittel herausschmeckst? 
Genuss kann aber auch in anderer Weise erlebt werden: z. B. bei einem Spaziergang im Wald, bei einer Massage, beim Nichtstun. Vielleicht hast du eigene Ideen wie du mehr Genuss in dein Leben einladen kannst.
  • Kreativität (schöpferisches Tun wie malen, basteln, singen, schreiben, kochen…)
  • Ausreichend Schlaf. Das Yin regeneriert sich am Besten in der Yin-Phase des Tages – der Nacht.
  • Hopfen, Baldrian, Weißdorn-Früchte, Blütentees (z. B. Rose) beruhigen das aufgeregte Yin.
  • Rosenquarz, Mondstein, Rhodochrosit schenken Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und stärken die Intuition
    Die Steine sprechen ganz individuell mit dir. Vielleicht fühlst du dich auch zu einem anderen Stein hingezogen, der dich auf deinem Weg unterstützen und begleiten möchte.

Der Shen

Zum Herzen gehört aus TCM-Sicht auch ein spiritueller Aspekt, der Shen genannt wird. Zum Shen gibt es zahlreiche analytische Konzepte. In vielen Schriften wird Shen als Geist oder Bewusstsein bezeichnet und zweifelhaft versucht, es zu erklären. Da scheint der Verstand an seine Grenzen zu kommen. Denn wie soll etwas analysiert werden, das nicht greifbar ist? Was ist also Shen? Hier ein Versuch, Shen eine Form zu geben:

  • Shen ist spürbar und auch für jene sichtbar, die Herz und Augen öffnen.
  • Shen ist Lebendigkeit, die alles durchdringt.
  • Shen ist Bewusstheit und Präsenz.
  • Shen ist Wahrhaftigkeit und Klarheit.
  • Shen ist der Moment, wenn deine Seele durch dich sichtbar wird.
  • Shen ist Lachen und Weinen.
  • Shen hält zusammen, verbindet und bündelt Kräfte.

Ist das Feuer-Element in Harmonie, zeigt sich dies in deiner Ausstrahlung, in einem sicheren Gang, einer klaren Stimme und leuchtenden Augen. Das ist Shen.

Leichtere Shen-Disharmonien zeigen sich durch:
  • anderen nicht in die Augen sehen können
  • unangemessener Ausdruck von Emotionen z. B. bei trauriger Stimmung lachen, nicht aus sich herausgehen können, Freude nicht zum Ausdruck bringen können oder immer überzogen gut gelaunt sein…

Ist unser Shen in Disharmonie, dann erleben wir uns unkonzentriert, oberflächlich, unruhig, rastlos, innerlich leer und vergesslich. Unsere Stimme zittert, ist leise, zu laut oder klingt schrill.

Es ist der ruhelose Geist des Shen, der uns nachts nicht schlafen lässt. Er kann in der Yin-Phase der Nacht nicht in die Innenwelt des Herzens zurückkehren. Die Funktion des Herzens den Shen zu beherbergen, hängt direkt mit einer harmonischen Ernährung und Blutbildung zusammen. Das Blut als Essenz des Yin ist also die Wurzel unseres Shen.

„Ein starkes Herz kann alle Emotionen kommen und wieder gehen lassen.“ so heißt es in der TCM. Wenn es stark und genährt ist, ist es tief verwurzelt und gehalten von einem satten Yin. Um Emotionen als Teil unseres Erlebens annehmen zu können, braucht es wiederum unser Vertrauen (Wasser-Element) ins Leben und darin, dass hinter jeder Emotion stets eine Botschaft liegt, die uns aufruft tiefer zu blicken.

Mehr? Gerne: