Eierstock-Zysten aus Sicht der TCM

von TCMlerin

Es ist Sommer 1993, und ich verbringe den Tag mit meinen Freundinnen am Badesee. Wir lesen uns aus der Bravo vor, erzählen über Jungs, die wir doof oder gut finden und hören mit unserem Discman laut „What´s up“ von den 4 Non Blondes… Wir lachen, gackern und essen fröhlich labbrige Pommes.

Uuuuh. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, wird mein Herz ganz weit. Ich weiß aber auch, dass es eine Zeit voller Unsicherheiten und Ängste war. Ich war völlig überfordert als ich eines Tages mit höllischen Unterleibschmerzen zu meinem Hausarzt ging, der mir nach einer Ultraschalluntersuchung mitteilte, dass ich eine Zyste am rechten Eierstock habe. Ich hatte zuvor noch nie von Zysten gehört, und es hörte sich unglaublich bedrohlich an. 

Die Zysten traten in den darauffolgenden Jahren immer wieder auf. Als Heilmittel wurde mir die Antibaby-Pille auf dem Silbertablett serviert, die ich in meiner Verzweiflung dankend annahm. Viele Jahre dachte ich nicht mehr über Zysten nach. Sie lösten sich buchstäblich in Luft auf. Erst als ich 20 Jahre alt war, wachte ich eines nachts mit so starken Schmerzen im Unterleib auf, dass mir in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Zyste samt Blinddarm (quasi 2 Fliegen mit einer Klappe) operativ entfernt wurden. 

Nach einer langen Spurensuche fand ich schließlich Hilfe bei einer Kinesiologin, die mit mir in die Tiefe tauchte, wodurch ein Heilungsprozess begann. Die Zysten haben mich aber nie ganz verlassen – auch heute noch spüre ich hin und wieder kurz vor dem Eisprung mal ein leichtes, mal ein messerscharfes Ziehen. Für mich ist es ein Alarmsignal – ähnlich wie PMS – das mir dient und mir Botschaften hinterlässt.

Zysten aus Sicht der TCM

Zysten und die Niere

Der Grund für Zysten an den Eierstöcken laut TCM ist oftmals Kälte im Unterleib – gepaart mit Feuchtigkeit und Schleim, die sich meist aufgrund der Kälte im unteren Erwärmer ansammeln. Der Auslöser dafür kann ein Nieren-Yang-Mangel sein. Die Niere wiederum steht ganz eng in Kontakt mit unseren Ängsten – vor allem in Hinsicht auf Urvertrauen und mangelnder Bereitschaft, das Leben anzuerkennen und sich darauf vollkommen einzulassen.

Bei Zysten geht es meist um Kontrolle und Vertrauen, Zurückhaltung und Rückzug – die Schattenaspekte der Weiblichkeit, aber auch um Co-Abhängigkeiten und mangelndes Ich-Bewusstsein. Viele Frauen, die unter Zysten an den Eierstöcken leiden, sind hochsensibel und ganz feine Wesen, denen es schwer fällt zwischen ICH und DU zu unterscheiden. 

Kalte Emotionen wie Angst, Ohnmacht und Verunsicherung können das Nierenfeuer regelrecht erlöschen und unseren Unterleib auf Dauer in einen Kühlschrank versetzen. In Wahrheit ist aber unser Schoßraum ein Ort, in dem Leben entsteht, ein Ort der Fülle, der Mutterliebe und Wärme. Unser Schoßraum ist das weibliche Kraftzentrum. Ist es kühl, kann dort auch nicht viel wachsen und gedeihen (häufig bei Kinderwunsch auch der Grund, weshalb sich ein Kind nicht einnisten möchte/kann). Dann kann unser Kraftzentrum seinen Auftrag nicht erfüllen, und es fehlen uns Kraft und Energie, um Ideen und Projekte umzusetzen. 

Zysten und die Leber

Weiterhin ist an den Vorgängen in unserem Unterleib auch der Leber-Meridian beteiligt. In der TCM sind sämtliche gynäkologische Themen Leber-Themen, weil der Leber-Meridian den Unterleib umspült. Wie du vielleicht weißt, geht es der Leber vor allem um Entfaltung, Freiraum und (Seelen)Wachstum. Sind die Energien nicht in Fluss (=Leber-Qi-Stagnation), schickt die Leber uns Frauen gerne körperliche Herausforderungen, die sich in PMS und Unterleibsbeschwerden äußern können. Eine Zyste an den Eierstöcken kann deshalb auch durch eine Leber-Qi-Stagnation entstehen. Lies hier gerne weiter… 

Was dir auf auf körperlicher Ebene bei Zysten hilft: 

  • Iss am besten 3 mal täglich warm
  • Reduziere befeuchtende Nahrung wie Joghurt, Topfen, Käse und Süßigkeiten (Die erste Zyklushälfte ist auf körperlicher Ebene die Yinphase, in der primär Feuchtigkeit und Schleim aufgebaut werden. Gerade in dieser Zeit benötigt dein Körper zwar säfte- und blutaufbauende Nahrungsmittel, versuche dennoch alles was Schleim begünstigt, wegzulassen.)
  • Reduziere kühlende Nahrung wie Südfrüchte, Tomaten, Salat und Rohkost
  • Vermeide Getränke aus dem Kühlschrank und grünen Tee 
  • Verfeinere deine Mahlzeiten mit wärmenden Gewürzen wie Ingwer, Anis, Fenchel, Kümmel, Rosmarin, Oregano, Thymian
  • Achte beim Sex darauf, dass dein Unterleib warm bleibt (vor allem im Sommer eine Decke überlegen)
  • Bewege dich regelmäßig. Vor allem langes Sitzen führt zu Energiestau im Unterleib. 
  • sanfter Sport bringt das Qi in Fluss, Meridianstretching, Yin-Yoga
  • Akupunktur und chinesische Kräuter von einem TCM-Therapeuten bringen das Qi wieder in Fluss.

Schau auch noch einmal, was ich hier über die Niere und hier über die Leber geschrieben habe. 

Ich persönlich glaube, dass eine Zyste an den Eierstöcken stets den weiblichen Gefühlskern berührt. Sie rüttelt auf, möchte bewegen und wirft Fragen auf über dich und dein Leben als Frau. Die Kinesiologin hat damals zu mir gesagt: „Deine Zyste ist leblose Energie.“ Erst Jahre später verstand ich so richtig, was sie damit meinte. Mein Energiepotenzial konnte nicht genutzt und gelebt werden, da ich die Erde als einen unsicheren Ort wahrnahm.

Zysten haben so viele Botschaften. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte. Um herauszufinden, was die Zyste mitteilen möchte, braucht es Stille und die Bereitschaft zu lauschen. Vielleicht helfen dir folgende Fragen, um Klarheit zu finden:

  • Wie stehe ich zu meiner Weiblichkeit? Welche Frauenrollenbilder kenne ich? Wie erlebe ich mein Frausein im Alltag?
  • Habe ich in meinem Leben genug (Frei)Raum, um mich und meine Bedürfnisse auszudrücken? Wie fülle ich meine Freiräume? Für mich oder für andere?
  • Kann ich mich gut abgrenzen und kann ich gut unterscheiden zwischen meinen Bedürfnissen und derer der anderen?
  • Lasse ich meine Gefühle zu und gebe ihnen Raum?
  • Was brauche ich um mich geborgen und genährt zu fühlen?
  • Genieße ich mich und meinen Körper? Was braucht es für Selbstmitgefühl und Körperakzeptanz?
  • Wofür möchte ich meine Kraft und meinen Mut einsetzen?
  • Wofür brenne ich? Oder wie kann ich mein erloschenes Feuer neu entfachen?
  • In welchen Bereichen meines Lebens fühle ich mich ohnmächtig?
  • In welchen Bereichen meines Lebens fühle ich mich nicht willkommen und ungewollt? Wie kann ich emotionale Verantwortung übernehmen und heilende Erdung finden?

Ich wünsche dir von Herzen, dass du die Botschaft hinter deiner Zyste erkennen und sie als Dienerin in deinem Wachstumsprozess sehen kannst, die nichts anderes will als wahrgenommen zu werden. Hole dir gerne Unterstützung bei einem ganzheitlichen Heilpraktiker, Arzt oder Therapeuten.

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